Das Land der Geisterfahrer

Der Einfluss des Vereinten Königreichs auf Australien und seine Menschen muss bei näherer Betrachtung als verheerend bezeichnet werden. Der Kolonialismus britischer Prägung hat zwar über die Jahrhunderte verschiedene Masken aufgesetzt, war aber stets alive and kicking. Einen der zynischsten kulturellen Exporte Ihrer Majestät durfte ich Ende August am eigenen Leib erfahren: Den Linksverkehr.

Die Kraftfahrer unter meinen Lesern werden es mir nachfühlen wenn ich sage: Die Zivilisiertheit einer Gesellschaft lässt sich am Straßenverkehr ablesen.
Als Theresa und ich beschlossen von Wollongong aus mit dem Leihauto einen Tagesausflug zu drei nahegelegenen Sehenswürdigkeiten zu machen, setzten wir uns also der nackten Barbarei aus.

Als ich sah, dass das Lenkrad auf der rechten Seite ist, war mir bereits klar, dass das vermutlich kein Fahrvergnügen wird. Als ich in den Früh- bzw. Linksverkehr einbog, beschlich mich die Angst, dass das ganze böse ausgeht. Als ich zum wiederholten Mal im zweispurigen Kreisverkehr angehupt wurde und Theresa mich fragte "Gehts eh?", sagte ich, "Aber sicher, Mausi! Alles im Griff!".
Wie sich das als Mann so schickt, habe ich meine Unsicherheit und Inkompetenz mit Aggression und Großspurigkeit überspielt. Ein Erfolgsrezept.

Und tatsächlich, nachdem ich noch einige Male zu Recht angehupt wurde, gewohnte ich mich an die spiegelverkehrten Verhältnisse und wir holten ohne Katastrophen den im letzten Blogeintrag bereits angekündigten Publikumsliebling ab: Ayaká Fujiwara.

Ayaká hat in Kyoto übrigens Volleyball und Englisch unterrichtet. Und wird es wieder tun, wenn sie heim kommt.

Als ich sie damals fragte ob sie Mila Superstar kenne, meinte sie, dass ihre Mutter das gerne geschaut habe als sie jung war. Ayaká erklärte mir, dass die Serie schon 1969 unter dem fetzigen Namen Atakku Nanbā Wan (Attacke Nummer 1) erstausgestrahlt wurde.

Meine ehemalige WG-Kollegin stieg ein, bot Kekse an, und wir fuhren los Richtung Minnamurra. Der Dschungel wartet.

Minnamurra

Wir drei hatten insgesamt sechs Kameras mit an diesem Tag. Acht, wenn man die rückseitige Linse von Theresas und Ayakás Handys mitzählt. Ayakás Fotos lassen sich leicht an der dezent höheren Sättigung erkennen.
Theresa und Ayaká: blutjung und schick
Vogelnest-Farn
Lianen-Ayaká
Spargeltarzan II: Der Regenwald schlägt zurück
Im Hintergrund: Eine gigantische Würgefeige
Wir fühlen uns wohl im Dschungel
Die Amazonen aus der Ferne
Aus der Nähe kann man ihre Drohgebärden sehen!
Der Minnamurra Regenwald gilt als beispielhaft...
... für den Dschungel der sich früher über die komplette Region erstreckt hat
Sonnenschein und Regen wechselten sich ab...
...und wir passten aufeinander auf, damit keiner ausrutscht
Wie in einer Ehe, würde mein Vater sagen
Minnamurra liegt in einem subtropischen Miniklima
Die 2.6 Kilometer durch den Dschungel brachten Theresa und mich doch etwas außer Atem.
Im Gegensatz zu Ayaká, die hüpfte munter voraus
Die Lianen nehmen teilweise bizarre Formen an
Der erste, kleinere Wasserfall von Minnamurra
Bin ich der Einzige der einen versteinerten Entenkopf sieht?
Nach einer guten Stunde sind wir beim größeren Wasserfall angekommen. Wunderschön, wie ich finde:
Die höhergelegenen Wasserfälle von Minnamurra boten den ersten hübschen Regenbogen an diesem Tag. Es sollte nicht der letzte bleiben
Ein bisschen Kitsch muss sein

Kiama Blowhole

Ich höre öfters, dass der Abwechslungsreichtum der neuseeländischen Natur Grund genug ist, die Insel zu besuchen. Aber Australien braucht sich in dieser Hinsicht auf keinen Fall verstecken: Wir verließen mit unserem Seat den Dschungel und seine Wasserfälle, fanden uns kurz darauf in einer grünen Hügellandschaft mit ausgedehnten Weideflächen für Kühe und Pferde wieder um schließlich in der palmenbesetzten Küstenstadt von Kiama anzukommen. Da können sich die in Neuseeland herunterlassen.

Das einzige was die Kiwis den Australiern voraus haben, sind gut ausgestattete Flughäfen. Auf der anderen Seite, wer bleibt schon länger als notwendig auf einem Flughafen? Aber ich schweife ab.

Kiama hat gut 12.000 Einwohner
Die Leute kommen hierher zum Surfen, Fischen und Fontänenschauen...
...oder um theatralisch in die Ferne zu blicken
Ayaká ist mäßig begeistert
Der Wind blies stark...
...aber die Sonne wärmte uns
Ein Meeresschwimmbecken. Solche gibt es in Wollongong auch
Wir nähern uns dem interessanten Teil Kiamas...

Kiama ist eine kleine, malerische Stadt mit einer großen Attraktion. Früher hat erstarrte Lava die Küste durchzogen. Diese Lava war weicher als das restliche Gestein und wurde daher schneller abgetragen. Dadurch haben sich Tunnel und Hohlräume gebildet die jetzt vom Meer durchflutet werden. In den Hohlräumen bildet sich regelmäßig großer Luftdruck der das Wasser in hohen Fontänen in die Höhe spritzen lässt.

So schaut das aus:
Jede Fontäne wird von einem Grollen und leichten Erdbeben begleitet
Nach ein paar Minuten stand die Sonne genau richtig ...
...sodass bei jeder größeren Fontäne...
...ein Regenbogen zurückblieb
Regenbögen links, rechts und mittig!
Doppelregenbogen!
Ein Goldschatz am Ende des Regenbogens
Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ayaká beschwört all diese Regenbögen. Sie ist das Mädchen mit den Zauberkräften!
Die Fontäne von Kiama

Wer gerne die Fontäne in Aktion sehen möchte, hier gibts ein Video:

Kiamas Leuchtturm wurde 1887 fertiggestellt
Am Rückweg wollte ich noch ein paar Semmeln aus dem Picknickkorb fuchsen. Ich wurde aber von der Familie ertappt und tat so, als wäre meine Absicht gewesen, ihnen ein Gruppenfoto anzubieten

Killalea Park

Zu guter Letzt besuchten wir den Killalea Park. Wir hatten dort nicht allzuviel Zeit weil der Autoverleih um sechs Uhr zusperrt und wir bis dahin das Auto wieder zurückbringen mussten.

Deswegen konzentrierten wir uns auf die wesentlichen Dinge: Zum Beispiel diesen mordsdrum Baum zu bekraxeln.

Theresa und ich ganz klein
Ich war noch nie ein großer Turner, deswegen brauche ich auch die Hilfe von Ayaká
Madame Fujiwara nimmt Anlauf...
...und schwingt sich mit katzengleichem Geschick auf den Ast!
Geschafft! Ein Dankeschön an unsere Sportfotografin Theresa
Wir gingen durch den Wald von Killalea...
...und kamen am Meer an. Auch wenn nicht unbedingt Badewetter war...
...genossen wir das Meer, den Strand und die Wolken

Damit neigte sich unser regenbogenlastiger Tagesausflug dem Ende zu. Den Leihwagen brachten wir auf die Minute und unter einigen Verstößen gegen die StVO zurück.

Im nächsten Eintrag wenden wir uns wieder Sydney zu und welchen Fehler ich dort in Chinatown beging.
Außerdem: Matthias und Theresa bereisen die Blue Mountains! Gibt es ein Entrinnen vor dem Nebel des Grauens?